Neugründung das Vereins und das 2. Schützenhaus (1960 - 1994)

chronik2Über die Jahre hinweg blieb die Idee des sportlichen Schießens jedoch immer present. Immer wieder trafen sich Schieß- sportbegeisterte aus Ruhestetten mit den Sportkameraden und Freunden aus dem früheren Schützenverein. Insbesondere von Ernst Engel und Josef Keller, wurden sehr eingehend die Möglichkeiten diskutiert, wieder einen Schützenverein zu gründen. Von Josef Bohler, Landwirt, und Karl Gersthofer erhielten sie starke Unterstützung. Diese beiden letztgenannten hatten sich bereits dem Schützenverein Hippetsweiler angeschlossen und sich dort schon sehr erfolgreich betätigt.
Im Jahre 1960 war es dann so weit. Man wollte wieder an die reiche Tradition des "Kleinkaliber Schützenverein Ruhestetten" anknüpfen. Bereits am 24. März 1960 wurde zu einer Versammlung in das für Ruhestetten traditionsreiche Gasthaus "Zum Löwen" eingeladen, um festzustellen, wie groß eigentlich die Bereitschaft für einen Schützenverein überhaupt ist. Viele der früheren Vereinsmitglieder und auch neue Interessenten aus der näheren und weiteren Umgebung fanden sich ein und waren bereit mitzuhelfen, einen neuen Verein aus der Taufe zu heben. Auf den 15. April 1960 wurde die Gründungsversammlung angesetzt, der immerhin 36 Personen Folge leisteten. Neben der Wahl der gesamten Vorstandschaft stand auch bereits schon wieder der Bau eines Schützenhauses auf der Tagesordnung. In dieser Versammlung wurde Ernst Engel zum Vorsitzenden gewählt. Er war es auch, der die Initiative ergriffen hatte und intensive Vorgespräche führte. In die Vorstandsschaft wurden weiter berufen: Josef Bohler, Landwirt, als 1. Stellvertreter, Alfons Häusler als Kassier, Karl Gersthofer als Schriftführer und Josef Keller als Waffenwart. Ebenfalls festgelegt wurde der Jahresbeitrag mit 5.- DM pro Mitglied neben einer einmaligen Aufnahmegebühr von 10.- DM. Jugendliche und passive Mitglieder hatten 3.- DM zu bezahlen.
Die Versammlung beschloß auch, alsbald wieder ein Schützenhaus zu bauen. Vorstand Ernst Engel stellte einen Teil seines Flurstückes Nr.159/1 auf der Markung Ruhestetten, am nördlichen Ende der Egelseestraße bei seinem landwirtschaftlichen Anwesen, kostenlos zur Verfügung, entsprechend der bisherigen Tradition. Bereits noch im April desselben Jahres konnte der erste Spatenstich für die Schießanlage erfolgten. Das erforderliche baurechtliche Genehmigungsverfahren war eingeleitet und bei weitem noch nicht so kompliziert wie heute. Die entsprechenden Pläne sowohl für die Schießanlage als auch für das Schützenhaus waren von Andreas Stehle, einem Mitarbeiter des Baugeschäfts Jung aus Rengetsweiler, gefertigt worden.
Natürlich bereitete die Finanzierung dieses Bauvorhabens auch damals Kopfzerbrechen. Außerordentlich viele Stunden an Eigenleistungen wurden geleistet und auch umfangreiche Sachspenden gingen ein, trotzdem war noch ein Darlehen erforderlich, das von der damaligen Raiffeisenkasse Ruhestetten zinsgünstig zur Verfügung gestellt wurde. Aber auch damit war die noch erhebliche Deckungslücke nicht zu beseitigen. Um diese zu schließen, spendete die Gemeinde Ruhestetten einen ansehnlichen Betrag und darüber hinaus erklärten sich viele Schützenkameraden spontan bereit, dem jungen und leistungsbereiten Verein privat und ohne jede Sicherheitsleistung ein zinsloses Darlehen auf unbestimmte Zeit zu gewähren. Von den Mitgliedern und Freunden des Vereins dürfte dies wohl auch für die damalige Zeit eine einmalige Geste des Vertrauens und der Opferbereitschaft gewesen sein, zumal die Rückzahlung der jeweiligen Beträge zu einem noch völlig unbekannten Zeitpunkt vorgenommen werden sollte und nur je nach Kassenlage des Vereins erfolgen konnte. Aber bereits schon nach knapp 6 Jahren war der letzte Darlehensbetrag zurückbezahlt. Dieser außerordentliche Gemeinschaftssinn zeichnete die Ruhestetter besonders aus, was auch an manchem anderen Vorhaben zu sehen war und auch heute noch ist dies sehr deutlich spürbar.
Die Baumaßnahme nahm einen recht zügigen Fortgang. An 3 Abenden wurden die Schießbahn und die Fundamente ausgehoben für das nunmehr zweite Schützenhaus in der gesamten Geschichte des Vereins. Unter der fachmännischen Leitung von Karl Dorn und Heinrich Vogel war mit vielen eifrigen Helfern innerhalb von 3 Wochen der Rohbau soweit fertiggestellt, daß bereits am 4. Juni 1960 aufgerichtet werden konnte. In den folgenden Wochen wurde das Dach eingedeckt und die Fenster eingesetzt. Die freiwilligen Helfer setzten die Arbeiten für den Innenausbau im Frühjahr 1961 fort. Kreisbaumeister Stroh vom Landratsamt Sigmaringen besichtigte zusammen mit dem Schießsachverständigen vom Regierungspräsidium Tübingen am 13. März 1961 die Baustelle und sie fanden nur wenig zu beanstanden. Schon am 27. Oktober 1961 konnte der Schießstand und das Schützenhaus vom Landratsamt Sigmaringen und vom Regierungspräsidium Tübingen abgenommen werden. Der schriftliche Bescheid, die "Erlaubnis zur Errichtung einer Schießstandanlage für Schußwaffen" mit Kleinkaliber auf der 50 m - Bahn, wurde am 1. Dezember 1961 durch das Landratsamt Sigmaringen erteilt. Der sogenannte Freigabebescheid erteilte das Landratsamt Sigmaringen am 18. Januar 1962. Nun konnte ein ordentlicher Schießbetrieb durchgeführt werden und ein lang ersehntes Ziel war erreicht. Die Arbeiten am Schützenhaus selbst nahmen noch etwas Zeit in Anspruch. Aber im Jahr darauf wurde dann das große Ereignis der Inbetriebnahme der gesamten Anlage gebührend gefeiert. Am 20., 21., 27. und 28. Juli 1963 fand ein großes Eröffnungspreisschießen statt. Nicht weniger als 92 Schützen aus 15 Vereinen der näheren und weiteren Umgebung nahmen daran teil und gaben dem jungen Verein die Ehre. Die Freude war berechtigterweise groß, nach 30 Jahren endlich wieder eine eigene Schießanlage zu besitzen.

Erweiterung der Schießanlage

Bald konnte das Schießen mit Kleinkaliber nicht mehr alle befriedigen und Vergleichswettkämpfe mit Luftgewehr erweckten mehr und mehr das Interesse. Um das sportliche Angebot des Vereins durch weitere Wettkampfdisziplinen zu erweitern, wurde der Beschluß gefaßt, das Schützenhaus zu vergrößern und einen Luftgewehrstand anzubauen. Mit den Arbeiten wurde bereits am 4. Juli 1967 begonnen. Die Bauarbeiten schritten so rasch voran, daß bereits am 22. Juli 1967 Richtfest gefeiert und zum Ende des Jahres 1967 der volle Wettkampfbetrieb aufgenommen werden konnte. Die Arbeiten standen unter der bewährten Leitung von Karl Dorn und Kurt Gassner. Ihnen standen wiederum zahlreiche Helfer zur Seite.
Die Vereinsaktivitäten haben sich unter der bewährten Vorstandschaft sehr stark ausgeweitet, so daß es sich als notwendig erwies, den Verein auf eine rechtlich sichere Basis zu stellen. Dies schon im Interesse der Verantwortungsträger innerhalb des Vereins. Anton Speckle, der damalige Lehrer an der Schule in Ruhestetten, hat es in die Hand genommen, eine auf die Verhältnisse des Schützenvereins abgestimmte Vereinssatzung auszuarbeiten. Sie wurde von der Mitgliederversammlung am 12. Januar 1968 angenommen und die Vorstandschaft wurde beauftragt, den Verein beim Amtsgericht Sigmaringen in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Dies geschah alsbald und der Verein wurde unter der Nr. 86 mit dem Namen "Kleinkaliber Schützenverein Ruhestetten" in das Vereinsregister eingetragen.

Schließung der KK-Anlage durch die Behörden

Zu einem besonders schmerzlichem Einschnitt in der Tätigkeit des Schützenvereins kam es durch die am 28. Februar 1977 durchgeführte Überprüfung der gesamten Schießanlage. Das Landratsamt Sigmaringen und der Schießsachverständige der Polizeidirektion Ravensburg stellten an diesem Termin fest, daß insbesondere die KK - Anlage den geltenden sicherheitstechnischen Anforderungen nicht mehr entsprach, weshalb die Benutzung der Anlage mit sofortiger Wirkung untersagt wurde. Übungs- und wettkampfmäßiges Schießen war somit nicht mehr möglich, was zu einem rapiden Rückgang der sportlichen Betätigung führte. Um die Beanstandungen zu beseitigen, wären umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich gewesen.
Lediglich der Luftgewehrstand konnte weiter benutzt werden. Innerhalb des Vereins wurde natürlich sehr engagiert diskutiert, was in der augenblicklichen Situation am zweckmäßigsten zu geschehen habe. Erstmals kam der Gedanke auf, sich mit einem evtl. Neubau einer Schießanlage zu befassen. Die finanzielle Lage des Vereins war jedoch alles andere als rosig, so daß dieser Gedanke zwar nicht besonders hartnäckig verfolgt, aber auch nicht ganz aufgegeben wurde. Am 23. Oktober 1985 fand eine erneute Überprüfung des Luftgewehrstandes durch das Landratsamt Sigmaringen statt. Nach seinem Bericht wurden am Luftgewehrstand zwar keine "gravierenden Mängel" festgestellt, allerdings konnte die am früheren Termin ausgesprochene Untersagung der Benutzung der KK - Anlage nicht aufgehoben werden.
Der Verein erhielt erneut die Auflage, die Schießbahnen so herzustellen, daß eine Benutzung genehmigt werden kann.
Den Verantwortlichen des Vereins war durchaus klar, daß umfangreiche bauliche Maßnahmen an der Anlage vorgenommen werden müßten und der finanzielle Aufwand hierfür recht beträchtlich werden könnte. Aus diesem Grund wurde die Diskussion über einen völligen Neubau einer Schießanlage erneut aufgenommen. In der darauf folgenden Mitgliederversammlung im Februar 1986 wurde der grundsätzliche Beschluß gefaßt, sich mit einem Neubau der Schießanlage zu befassen und nach möglichen Standorten Ausschau zu halten.